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Irisch/Gälisch mit Alfred Klauser

Der Ire fragt: „Cad is ainm duit?“

Rentner Alfred Klauser (69) spricht Irisch und spielt Tinwhistle –
Er gibt auch Sprachkurse


Büchlberg. Vielleicht 50 000 Muttersprachler gibt es noch. Und 1,66 Millionen Menschen verstehen sie noch als Zweitsprache (Quelle: irischer Zensus 2006). Die Rede ist vom Irischen, der alten keltischen Sprache Irlands, auch Gaeilge oder Irish Gaelic genannt. Einer von den Sprechern lebt im Landkreis Passau. „Cad is ainm duit – wie ist dein Name?“– auf diese Frage weiß er gleich zu antworten: „Alfred Klauser, 69 Jahre alt, Rentner aus Denkhof bei Büchlberg“.

Zur irischen Sprache ist Alfred Klauser durch Zufall gekommen. Eigentlich wollte er einen Tschechischkurs bei der Volkshochschule besuchen. Das war im Jahr 2004, als er noch in München lebte und in der IT-Branche arbeitete. Aus dem Tschechischkurs wurde nichts – und so landete Alfred Klauser im Irischkurs. 15 Jahre später ist er selbst Dozent bei der Volkshochschule, jetzt in Passau, und spielt die irische Tinwhistle, eine traditionelle Blechflöte.
Und das kam so:

Lektion 1: der Kurs an der Volkshochschule München bei Eileen Carty, Irin, Uni-Dozentin. 27 Teilnehmer, vier Semester. „Im Kurs lernten wir nicht nur Vokabeln, Aussprache und Grammatik, im Zentrum stand auch irische Literatur zu lesen und alte irische Liedtexte zu verstehen“, erzählt Klauser. Bei einem Urlaub in Irland kaufte sich Klauser eine sogenannte Tinwhistle, eine verzinnte Blechflöte mit einem Plastikmundstück, ein traditionelles irisches Instrument. Eigentlich nur ein Souvenir – doch Klauser begann die Lieder aus dem vhs-Kurs damit nachzuspielen und sich selbst weitere Lieder beizubringen. „Es handelt sich um eine D-Flöte mit sechs Grifflöchern“, erklärt er über seine erste Flöte, die rote. Im Laufe der Jahre kamen noch vier weitere Blechflöten hinzu, in anderen Tonarten gestimmt. Und das Repertoire von Klauser wuchs.

Lektion 2: Unterricht am SKSK Bonn. Das Irisch-Fieber hatte Klauser bereits voll infiziert, als seine Tochter nach Bonn zog. Die Besuche bei ihr verband er von da an regelmäßig mit Sprachkursen am SKSK Bonn – dem Studienzentrum für keltische Sprachen und Kulturen in Königswinter bei Bonn. Das Flötespielen gefiel ihm – aber das Singen der alten Liedtexte gefiel ihm noch viel mehr. In Bonn besuchte er deshalb irische Liedkurse. „Die Technik heiß Sean-nós“, erklärt er, „das ist Singen wie bei A-Cappella- Balladen“. Tempo und Rhythmus sind frei, es gibt kein Tremolo. „Die Lieder haben oft eine extreme Range, man moduliert nur die Stimme“, sagt Klauser und hebt an, ein altes Säuferlied zu singen. Das Lied klingt melancholisch, weit, getragen. In Bonn spielte er auch bei einer irischen Band mit. Alfred Klauser beherrscht mittlerweile 30 irische Lieder – ob nun Säuferlieder, Rebellenlieder wie das bekannte „An Buachaillín Ban“ oder Liebeslieder. Er singt sie alle auswendig. „Mir ist wichtig zu verstehen, was ich singe und nicht nur Lieder nachzuträllern“, sagt er.

Lektion 3: ein Sommerkurs in Irland, an der Sprachschule Oideas Gael in Irland. Die irische Sprache gehört zur keltischen Sprachfamilie; innerhalb Irlands gibt es mehrere Dialekte, in denen auch die Schreibweise variiert. „Besonderheiten der Sprache sind beispielsweise, dass das Verb immer am Anfang steht“, erklärt Klauser. Typisch sind auch die sogenannten Anlautflexionen. Das bedeutet, dass Substantive in ihrem Anfang, nicht in ihrem Ende gebeugt werden, also Casus und Numerus durch eine Veränderung der Anfangssilbe ausgedrückt werden.

Lektion 4: Dozent an der Volkshochschule Passau. „Ich bin ein Lernender, der sein Wissen weitergibt“, sagt Klauser bescheiden. Seit einiger Zeit hält Klauser Landeskundevorträgen und gibt Sprachkurse. Sieben Leute hat er derzeit in seinem Fortgeschrittenenkurs in Passau – der Einzugsbereich der Teilnehmer geht von Simbach nach Tschechien. Dass jemand Irisch kann, ist eben selten–dafür werden auch lange Anfahrtswege in Kauf genommen. „Wir sind hier in der Diaspora“, bedauert Klauser über das Passauer Land, in das seine Frau und er vor ein paar Jahren gezogen sind, als die Frau ein Haus erbte. Echte Iren oder gar Muttersprachler hat er hier noch nicht kennengelernt – um sich selbst weiterzubilden, fährt er nach Bonn oder München. Wer gerne irische Musik mit Alfred Klauser in der Gruppe spielen will, kann sich an ihn wenden, bietet er an.

Übrigens: Tschechisch hat Alfred Klauser am Ende doch noch gelernt.
Er macht einen Sprachkurs an der vhs.


INFORMATION
Einen Landeskundevortrag hält Alfred Klauser am 26. März, Dienstag, um 19 Uhr im Bürgerhaus in Waldkirchen und am Donnerstag, 28. März, um18.30 Uhr im Josefsheim in Passau.
Ein Anfängersprachkurs findet an der vhs am 30. und 31. März in Passau als Wochenendkurs statt, von 10 bis 17 Uhr bzw. 10 bis 16 Uhr. Anmeldung über die Volkshochschule.

Quelle: Passauer Neue Presse, Sandra Niedermaier

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